"Tirolerisch denkt"

Kolumne von Franz Eberharter

Gerecht oder Gericht

Kennen sie den? Steht ein Angeklagter vor Gericht und wird nur deshalb wegen Schwarzbrennerei zu 500.- Euro Strafe verdonnert, weil er die Vorrichtung zum Schnapsbrennen besitzt. Auf die Frage des Richters, warum er denn 1000.- Euro auf den Richtertisch gelegt habe, kam die Antwort: „Hohes Gericht, damit möchte ich auch gleich das Sexualdelikt begleichen, denn auch die dazu notwendige Vorrichtung befindet sich in meinem Besitz!“

Die Richterin im ostfriesischen Leer hätte in ihrer deutschen Gründlichkeit das beste Stück sicher sofort vermessen lassen, ob es denn für ein Sexualdelikt überhaupt die notwendige Länge hat. Auf der anderen Seite wird ein 16-jähriger Vergewaltiger mit rigorosen Auflagen aus der Haft entlassen. Wumm, er darf bis zur Verhandlung keinen Tropfen Alkohol trinken und muss sich unverzüglich bei der Bewährungshilfe melden.

Wo darf sich eigentlich die Vergewaltigte melden oder muss sie nur froh sein, dass sie nicht in Dubai Opfer geworden ist?

Abgesehen davon, wird jetzt bei Gericht gerichtet, Recht gesprochen oder einfach nur ein Urteil gefällt? Ein beliebter Spruch heißt, wenn im Gericht tatsächlich Recht gesprochen werden würde, dann hieße es ja nicht Gericht, sondern Gerecht. Der Umkehrschluss würde bedeuten, dass das Gericht deshalb Gericht heißt, weil man sich´s dort richtet. Letzteres vermuten, zu Recht oder nicht, gar nicht wenige Zeitgenossen, die unsere rechtsstaatlichen Mühlen einmal genossen haben. Nun wird’s sicherlich zu jedem Fall eine mehr oder weniger plausible Erklärung geben, aber der öffentliche Eindruck bleibt, dem zufolge Justitia des Öfteren wohl zu Recht als geblendet dargestellt wird. Manche verwetten ihr letztes Hemd, dass der schiefe Waagebalken in ihrer Hand auch eine tiefere Bedeutung hat. Aber Recht und Richtermangel hin oder her, auf jeden Fall dauert es zu lange. Es ist unerträglich, wenn wie im Fall des Kaunertaler Bürgermeisters ein Freispruch erst nach vier Jahren erfolgt.

„Man weiß nie, wie´s ausgeht!“ hat er gesagt, der Pepi Raich und es habe ihn und seine Familie sehr belastet. Müsste er dafür nicht eine Entschädigung bekommen oder sind das Kollateralschäden einer staatsanwaltschaftlichen Meinung?

Nach der Urteilsverkündung im Prozess gegen den Kulterer sollen Richteranwärter, die Schuldsvermutung gilt gleichermaßen für Männlein wie Weiblein, auf dem Gang vor dem Gerichtssaal gejubelt und abgeklatscht haben. Sollen solche Leute später besonnen über Recht und Unrecht entscheiden? Die aufkeimende Übelkeit werde ich heute beim Stammtisch mit meinem Hausmittel bekämpfen und darauf anstoßen, dass ich nie mehr in diese Mühlen gerate.

Schönen Sonntag!

Ich freu mich

Ich freu mich wenn´s regnet. Sie haben richtig gelesen, ich freu mich wenn´s regnet. Ich hab mich ja auch gefreut, als ich wegen einer übersehenen Überweisung in der Höhe von € 57.- an die Tourismusabteilung des Landes ohne jegliche weitere Zahlungsaufforderung oder Mahnung eine Exekution zugestellt bekam. Ich hab mich so darüber gefreut, dass die hohe Gerichtsbarkeit für so einen kleinen Wurm wie mich Zeit hat, dass ich die Gerichtskosten von € 30.- gerne beglichen habe. Ich freu mich ja auch, dass ich seit dem 12. August nicht mehr für den Staat arbeite, sondern für mich. Deshalb hab ich in meiner überschwänglichen Freude gleich mit Kind und Kindeskindern einen Urlaub gebucht, denn nichts Erspartes ist so beständig wie die Erinnerung an einen solchen. Überhaupt werde ich´s jetzt etwas gemütlicher angehen, denn unser Totengräber hat mein Ansuchen um eine etwas breitere Grube abgelehnt. Wenn ich schon nichts mitnehmen kann braucht sich wenigstens nach meinem Abgang niemand um meinen Posten streiten, wobei mich schon freut, welchen Eifer die Rote Sonne im Osten beim Postenschacher im Kabinett an den Tag legt. Aus beruflichem Interesse freut mich in diesem Zusammenhang ganz besonders, dass uns die Frau Verbildungsministerin erhalten bleibt. Herrlich, wenn sie nach der ZIB-flash noch vor der Crimetime in der Primetime im Fernsehen verkündet, dass wir einen „aufmerksamen Umgang“ mit der deutschen Sprache pflegen müssen. Wird schon einen Grund haben, dass Kabinett und Kabarett gleich anfangen und gleich aufhören. Dazwischen allerdings geht es um die Kohle und da wird bei den Lustigen die Kommastelle wohl einige Stellen weiter rechts sein als bei den Lustigen.

 

Weniger lustig sind die jugendlichen Trittbrettfahrer der IS-Terroristen. Ich glaube nämlich nicht recht daran, dass es da wirklich um irgendeine Religion geht. Da geht es um nichts anderes als um die Lizenz zum Töten. Ist ja ultrageil, egal von wem, die Legitimation zu bekommen, Herr über Leben und Tod zu spielen. Wundern brauchen wir uns auch nicht, denn geht es nicht schon in den meisten Kinderspielen um Mord und Totschlag?

 

Aber zurück zu Frohsinn und Heiterkeit und zur Schadenfreude. Da sie nach Siegmund Freud als reinste aller Freuden gilt, möchte ich an dieser Stelle wie Frau Herr Minister Böhmdorfer auffordern, Haschisch endlich für´s Volk freizugeben, damit auch der kleine Mann auf der Strasse etwas zu lachen hat, wenn die rote Zukunftshoffnung Briefe an Veteranen verschickt.

 

Ich freu mich wenn´s regnet, denn wenn ich mich nicht freue regnet´s auch! Und dass ich´s noch einmal gesagt habe: „Unter Kreisky hätte es so ein Sauwetter nicht gegeben!“

 

Schönen Sonntag!

 

So ein Theater

Es gibt Theater, die einem kulturellen Anspruch gerecht werden und es gibt Theater, die einfach nur nerven. Zu Ersterem gehören sicher das Festival der Träume in Innsbruck oder „My Fair Lady“ beim Operettensommer in Kufstein. Haben sie eigentlich gewusst, dass man damals dieses Stück in Amerika als Abschreibposten produzieren wollte und deshalb lange einen Komponisten suchte, der nicht´s „zammbringt“? Frederick Loewe schließlich wurde beauftragt und, vorher und nachher war nicht viel los um den Komponisten, schrieb er dem Stück einen Welthit nach dem anderen auf den Leib.

Manches Theater wieder ist zumindest entbehrlich. Zum Beispiel ein herzliches: „Wo bist du denn schon wieder so lange gewesen?“ wenn man etwas später heimkommt. Gut, da kann man dann in die Nebenrolle schlüpfen: „Schatzi, solange sie mich im Gasthaus lieber sehen als zu Hause, bleib ich im Gasthaus!“ Das ganz emotionslos vorgetragen und anschließend zwei Tage abgängig, soll Wunder wirken. Wenigstens kann man dabei mitspielen, was bei anderen Theatern nicht möglich ist, weil man auf der Besetzungsliste gar nicht vorkommt.

Andere Theater wieder haben weniger Tiefgang als Unterhaltungswert. Irgendwie amüsant, wenn ausgerechnet das Management vom Conchita anderen Leuten vorwirft, nur aus Geldgeilheit diese ehrwürdige österreichische Traditionsmarke zu missbrauchen und ohne wenigstens nachzufragen! Müssen wir am Ende irgendwo nachfragen, wenn wir beim Metzger eine Wurst kaufen wollen? Weiß da jemand vielleicht schon gar nicht mehr, wer aus dem Würstchen die Wurst gemacht hat? Wäre das ohne Zwangsgebühren überhaupt möglich gewesen? Und weil ich schon dabei bin, da gibt´s noch das Traditionstheater. Im aktuellen Fall leider nicht im positiven Sinne, weil es sich um ein Schmierentheater handelt und die Tradition sich lediglich auf die Tatsache bezieht, dass uns die Wiener wieder einmal auf den Kopf geschissen haben.

Im Übrigen freu ich mich schon auf die internationale Berichterstattung aus dem Wasserkopf, der Contest fällt nämlich genau in die Wahlzeit zur Wiener Gemeindewahl und da dort bekanntlich auch ein gewisser Herr Strache antreten wird, steht das Zeichen der Toleranzwurst auf Sturm. Aber das Theater lebt von den Gegensätzen und zum Thema Nachhaltigkeit der Werbung möchte ich nur eine einzige Frage stellen: „Wissen sie, wo vor drei Jahren der Songcontest stattfand?“ Nein?!? Ich nämlich auch nicht und so bleibt zu hoffen, dass die Welt die Wiener Wahlplakate bald wieder vergessen haben wird.

Ich jedenfalls trau mich heute beim Kramerwirt neben Zeugen kein Würstchen mehr zu bestellen. Vielleicht probier ich´s mit „Filet im Darm“ …

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Freitag, 26. September 2014

Zeit: 20:00 Uhr
Ort: Kramsach
Wo: Volksspielhaus Kramsach
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