"Tirolerisch denkt"

Kolumne von Franz Eberharter

Gesund gejammert

Was bin ich froh, dass wir gar nicht so arm sind wie wir gejammert haben. Es gibt lang nicht so viele Arme wie wir glauben und schon gar nicht so viele Reiche, nämlich nur 6,9 % der Bevölkerung, haben unsere nördlichen Lieblingsweltmeister in einer Studie festgestellt. Letzteres wohl um das Neidgefälle ein wenig abzuflachen. Insgesamt beruhigt so eine Studie aber und hat mich veranlasst, meinen eigentlich abgesagten Sommerurlaub wieder aufleben zu lassen. Vielleicht staue ich mich schon nächste Woche an den Gardasee oder nach Tschesolo, denn dort gibt es selbst in der Ferragosto-Woche kein Problem, eine Unterkunft zu finden. Ich hab´s selbst probiert und schon im ersten angefragten Hotel drei freie Appartements angeboten bekommen. Bei einigen anderen Anfragen war es nicht anders. Am Ende wird man noch den entsprechenden Wikipedia-Eintrag ändern müssen, in dem in dieser Zeit von völlig überfüllten Ferienorten die Rede ist. Aber nach den Zahlen vom Winter und dem, Robbie Williams sei Dank, nicht völlig abgestürzten Start in den Sommer, sollte ich vielleicht ganz patriotisch Ferien im eigenen Land machen. Auf der einen Seite gibt es sicher weit und breit keine so hohe Dichte an wunderschönen Unterkünften und auf der anderen Seite ist zu Tode gejammert auch nicht gelebt. Überhaupt sollte man mit dem Jammern warten, bis die endgültigen Zahlen auf dem Tisch liegen, aber irgendwie hat es sich eingebürgert, dass nur bad news good news sind. Mag vielleicht auch eine Rolle spielen, damit leichter in die Medien zu kommen, aber das funktioniert wie am Beispiel Lugner auch auf andere Art. Ich hab auf Facebook fünf gemeinsame Freunde und da hab ich ein Foto gepostet bekommen, das mich zu Tränen gerührt hat. Richi an der Seite seiner Ur-ur-ur-enkelinverlobten „Spatzi“ mit starrem Blick auf ihre aufgeblasenen Brustschwimmhilfen. „Schatzi“, so sprach Spatzi, glang´ mir mal deine Beißerchen vom Nachtkastl, ich möchte mich so gern selber in den Hintern beißen, weil ich ohne dich nie und nimmer so in die Medien gekommen wäre und mich wahnsinnig auf unsere Verlobung am 1. August freue.

Ich will jetzt nicht jammern, aber irgendwann werden sie wohl den Springinsbild Lugner so wie kürzlich den Conchita in einem Atemzug mit unserem Wolferl, nein, nicht dem Broserl sondern dem Mozarterl, nennen und als Austria´s next Aushängeschild bezeichnen.

Da wäre mir glatt eine Zeile für die neue Bundeshymne eingefallen, die sich auf Land der Kasperlinnen reimt. Das werde ich heute am Stammtisch mit den Jungs besprechen.

STOPP, jammern sie nicht, das brauche ich nicht zu Binnen“i“deln, denn DER Stammtisch ist eindeutig männlich.

Wunder gibt es immer wieder

„Wunder gibt es immer wieder“ hat Katja Ebstein schon 1970 vermutlich im Bewusstsein geträllert, dass Wunder etwas ziemlich seltenes sind. Obwohl, an Wunder glauben müssen viele, denn sonst würden nicht allwöchentlich so viele Lotterie-Lose kaufen und Göttin Fortuna inbrünstig versichern, dass sie im Falle eines Gewinnes bestimmt den größten Teil des Geldes den Armen spenden würden. Das ist wieder kein Wunder, denn das tut man ja um dem Wunder gleichsam ein wenig auf die Sprünge zu helfen.

Gleich zwei Wunder, für die die oh wundersam geblendete Göttin Justitia verantwortlich zeichnet, passierten letzte Woche. Einmal die Seligsprechung des allseits beliebten italienischen Ruby nun doch nicht Naglers und dann, sozusagen Freispruch in Freispruch, die Reinwaschung unserer lebenden Heimat-Liebe, Gustav Penz, was weniger ein Wunder ist, als es ein Wunder wäre, wenn er gerichtlich gegen die Reputations-Diebe vorgehen könnte, die sich hinter der Strafprozessordnung verstecken.

Mit der Meldung über ein Wunder, genauer gesagt über eine wundersame Heilung, trumpfte ich vorgestern bei meinem Hausarzt auf, denn der hatte mich, an Lungenentzündung erkrankt und einen Kuraufenthalt auf Capri verlangend, ausgelacht. Haha, jetzt bin ich es der lacht, denn wir haben ein lebendes und nicht eingesperrtes Beispiel einer von einem Dottore del Bambini diagnostizierten wundersam geheilten Lungenentzündung. Dass mein Dottore darauf hingewiesen hat, dass solche Wunder nur geschehen, wenn der oberste Ex-Chef der Finanz seinen Steuerberater wegen Unwissenheit, und zwar jener des Prozess-Anstieflers, verklagt, wunderte mich dann nicht mehr.

Gewundert habe ich mich eher darüber, mit welch überragender Mehrheit im Gemeinderat sich die Stadt Innsbruck das Millionengrab Patscherkofel gesichert hat. Wirklich wundern braucht man sich aber dennoch nicht, weil mit fremdem Geld ist leicht stinken und wer weiß, vielleicht fällt dem „Mordkettenbahn“ Wortkünstler zum Patscherten Kofel auch etwas ein. Wird aus dem Tourenberg der Sportler am Ende ein Torturenberg der Blecher? Wenn man nicht an Wunder glaubt wird man nämlich diesen Grünen Einfall weiß machen müssen, obwohl, genau betrachtet wäre ohne ein Vorteil, denn auf Gras bräuchte man keine Felle. Wenn schon kein Wunder, so wäre diese weltweit einzigartige soziale Beschneiung aber jedenfalls einen Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde wert.

Wundern würde mich, wo sie Songcontestwurst oder Contestwurstsong hinschreiben, damit sich die Leute wundern können, wobei jede andere Farbe als Rosa ein Wunder wäre.

„Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh´n …“ Zarah Leander 1942.

Immer sind die Anderen schuld

Ich habe das schon im Kindergarten gehasst, wenn die Maria einfach laut losbrüllte. Auch wenn sie im Unrecht war oder gerade dann am lautesten. Wer mit dem Streit angefangen hatte, interessierte niemanden mehr: „Lass endlich die Maria in Ruhe!“

Heute ist das keinen Deut besser, denn was man im Kindergarten gelernt hat vergisst man nicht mehr und so hat sich irgendwie manifestiert, dass immer der, der am lautesten schreit, im Recht ist. Das ist auch in der Weltpolitik nicht anders. Die Amerikaner spionieren ihre Freunde aus und schreien jetzt beleidigt auf, weil die eiserne Merkel den deutschen CIA-Chef aus dem Land geworfen hat, wobei man den Vorwurf „Das hätten wir uns von den Deutschen nicht erwartet!“ sicher auch rückwärts lesen kann. Aber wer ist nun Schuld?

Ist es wirklich so, dass der Frömmste nicht in Frieden leben kann, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt?

Grundsätzlich ist klar, der Mensch will alles wissen. Ich gebe zu, ich bin auch erleichtert, dass unsere Anna Netrebko nur verlobt und nicht schwanger ist, denn wem hätten wir da die Schuld geben können? Ist am Ende der blaue Privatdetektiv die Schuld, dass die Bettelprofis so gut organisiert sind und am Autobahnparkplatz schlafen?

Jedenfalls ist die Mehrheit im Parlament die Schuld, dass das Burkaverbot vorläufig nicht kommt. Für mich wäre das blöd gewesen, hab ich mir doch vorgenommen, auf den Autobahnhunderter im Herbst einen zu lassen und nur noch verschleiert im Auto zu sitzen, denn dann könnten sie sich die Frontradarfotos an den Hut stecken.

Gestern war der Conchita in Innsbruck mit seinem Konzert die Schuld für mehr Toleranz, weshalb mir heute völlig Wurst ist wer Fußballweltmeister wird. Auf jeden Fall bin ich selbst schuld, dass ich acht Argentinische Fähnchen auf meinem Auto montiert und die Außenspiegel mit der Inka-Sonne verziert habe, und wenn ich heute nach dem Frühschoppen heimkomme, werde ich auch noch die acht Meter lange argentinische Nationalfahne vor meinem Haus hissen. Buenas noches mis amigos!

Damit ich´s nicht vergesse, die Steinhuhnpastete bei der Silvretta Seilbahn Geburtstagsparty am Freitag in Ischgl schmeckte köstlich, war aber nicht wirklich Schuld daran, dass ich so spät ins Bett kam. Übrigens, die Zahlen sprechen für sich, 15 Einwohner pro Quadratkilometer, 155 Pistenmeter pro Einwohner, 0,67 Baukräne pro Betrieb und 1,7 Harleys pro Hotelier, Herz was willst du mehr. Da ist dann egal wer die Schuld daran trägt, dass in der Zwischensaison die Gäste im Ort mit einem Bauhelm herumlaufen müssen.

Schönen Sonntag!

Lachgas Franz mit Edi Grübling beim Jägerstammtisch – Narrisch guates Sommerkabarett 16.7. 20:15 Uhr ORF 2

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