"Tirolerisch denkt"

Kolumne von Franz Eberharter

Die Schergen-Schutze

Es gibt unzählige Marterln in unserem Land, die ähnlich Wegkreuzen als Anstoß zum Gebet unterwegs, als Zeichen der Dankbarkeit für überstandene Gefahren oder Seuchen, zur Erinnerung an besondere Unglücksfälle oder an bedeutende Taten oder Personen erinnern. So gibt es seit kurzem auch die „Schergen-Schutze“ an der Gerlos-Bundesstrasse im Gemeindegebiet von Hainzenberg. Dieser von fünf tapferen Männern des Waldes errichtete Bildstock soll an einen mutigen Bauern aus Gerlosberg erinnern, der im 18. Jahrhundert einen Schergen über die Strasse hinaus in eine steile Rinne „schutzte“. Ob es sich bei diesem Schergen laut Wikipedia um einen Henkersknecht, einen käuflichen Verräter oder um eine Person handelte, die einem Schurken dienstbar ist und dessen Befehle ausführt, ist genau so wenig überliefert wie das Ergebnis dieser Tat, ob er nämlich den Angriff überlebt hat.

Jedenfalls aber soll es sich um einen Handlanger Wien´s gehandelt haben, womit wieder einmal der Beweis erbracht wäre, dass das fleißige Tiroler Bergvolk schon immer geschröpft wurde um der herrschenden Schicht im Osten ihren Lebensstil zu finanzieren.

Jene, die jetzt scharf eingeatmet haben können wieder ausatmen und mögen sich daran erinnern, welche Heldentaten der herrschenden Schicht nach und nach ans Licht kommen und welch honorige Herrschaften inzwischen die Gefängnisse bevölkern. Bleibt die Hoffnung, dass sich das mit einer Frauenquote regeln lässt.

Jedenfalls könnte ich mir aber vorstellen, dass dieser Platz am Ende noch ein Wallfahrtsort für Steuerzahler wird, die einfach so wie dieser Bauer damals die Schnauze voll haben. Denen diese moderne Christenverfolgung nach dem Prinzip, wer nichts arbeitet kriegt Geld, wer etwas arbeitet zahlt, wer viel Arbeitet zahlt viel und wer so viel Kohle hat, dass er es sich leisten kann, zahlt in Österreich überhaupt nichts mehr, auf den Keks geht. Verflixt, jetzt ist mir ein Fehler unterlaufen. Natürlich heißt das politisch korrekt nicht mehr Christenverfolgung sondern Verfolgung aller anerkannten Glaubens- und Religionsgemeinschaften und natürlich meine ich nicht nur Steuerzahler sondern auch Steuerzahlerinnen. Letzteres, sagt meine Frau, sei unglaublich tröstlich für sie und überhaupt freue sie sich, wenn der Kramerwirt wieder seine Pforten öffnet, weil ich ihr an den Sonntagen vormittags unglaublich auf den Wecker gehe.

Tja, die Sterberei...

Beim Sterben ist jeder der Erste! So heißt ein ziemlich fieser aber überaus erfolgreicher Film aus den Siebzigern mit kulturkritischem Tiefgang, in dem Jon Voight, Burt Reynolds, Ned Beatty und Ronny Cox die Hauptrollen spielten. Manchen wird eher die Musik in Erinnerung geblieben sein, wo eine Gitarre mit einem Banjo wetteifert. Obwohl es mir heute wie damals kalt über den Rücken hinunterläuft, wurde die Fiktion von der Wahrheit mehr als eingeholt.

Wenn ich die Nachrichten schaue, dann ist alles irgendwie unwirklich, nicht real, eher wie ein Computerspiel. Die Bilder aus Syrien und dem Irak, die Explosionen, die Raketeneinschläge, Bombenkrater und durch Überwachungskameras festgehaltene Selbstsprengungen. Das Sterben ist anonym geworden, kein Lied mehr um einen zerschossenen Hofer, nur spektakuläre Bilder. Da huscht mein Gedanke um dreizehn Jahre zurück zum 11. September. Ich weiß nicht mehr in welchem Lokal ich die Bilder im Fernsehen sah und mir dachte, wieder so ein reißerischer Aktionsfilm, mich aber dann mit einem Stein im Bauch hinsetzen musste, als ich realisierte, dass die Welt nun in der Lage ist, den wirklichen Horror unserer Zeit in Echtzeit zu übertragen. Dass damit die Attraktivität für diesen Terrorwahn erst richtig angekurbelt wurde, mag in manchen Diskussionen untergehen, aber ich glaube, dass der eine oder andere Gotteskrieger es sich überlegen würde, wäre seine Hochgeschwindigkeitshimmelfahrt nicht weltweit in den Nachrichten. Aber schauen wir in unsere Kinderzimmer. Die Kinder verbringen einen nicht unwesentlichen Teil ihrer Zeit vor Bildschirmen mit an Grausamkeit nicht zu überbietenden Kriegs- und Kampfspielen und wir wundern uns, wo in unserer ach so friedlichen Welt plötzlich diese Aggressionen herkommen? Dann stellen wir uns einmal im Jahr auf den Friedhof, denken mit nassen Augen an die Endlichkeit unseres Daseins, an die Ewigkeit und dass die Nachbarin heuer schon wieder einen neuen Mantel anhat. Aber was sind in Wirklichkeit unsere paar Lebensjährchen im Angesicht der Ewigkeit? Ein Wimpernschlag der Zeit, oder wie ein Freund am Stammtisch trefflich formulierte, ein Furz in der Landschaft bei Föhn? Verkürzt es unser Leben wirklich, wenn wir von Kufstein bis Innsbruck auf der Autobahn die Ewigkeit von 6 Minuten länger brauchen oder sterben wir eher deswegen früher, weil wir uns darüber zu Tode ärgern, dass man uns heillos verarscht?

Die Frage nach der Ewigkeit hat mir ein Kirchenmann so beantwortet: „Bis zum Sterben geht´s, aber nachher zieht sich´s!“ Deshalb habe ich beschlossen, die Sache ruhig anzugehen und mich nicht allzu früh zu melden.

Aber fragt uns jemand?

Schönen Feiertag!

Von der Nachhaltigkeit

Das Wort Nachhaltigkeit stammt vom Verb „nachhalten“ mit der Bedeutung „längere Zeit andauern oder bleiben“ und hat in der modernen, umfassenden Bedeutung den Sinn des Prinzips, dass nicht mehr verbraucht werden darf als jeweils nachwächst. Weil man nicht mehr verbrauchen darf als nachwächst, wird am Innsbrucker Hauptbahnhof der Grund gewesen sein, warum die Berufsfeuerwehr den ausgabefreudigen Bankomaten akkurat dann vernageln musste, als ich der nächste Kunde gewesen wäre. Ob die Alarmierung über die nachhaltig ziemlich vernagelte Leitstelle Tirol gelaufen ist, bleibt ein Geheimnis. Kein Geheimnis ist dagegen, dass der zuständige Landeshauptmannstellvertreter Geisler der längeren Zeit des Andauerns eine Ende gesetzt und dafür gesorgt hat, dass die beiden Geschäftsführer nicht mehr länger bleiben. Dass der Nachhaltigkeit auf der Autobahn ein Ende gesetzt wird tut mir wiederum in der Seele weh, denn ich war schon einigermaßen erstaunt, als letzte Woche nach dem riesen Sturm und dem anschließenden Regen und Schneefall der IGL 100er aufleuchtete. Später ging die schlechte Luft nahtlos in Schleudergefahr über, was fünf Kilometer vor einer Baustelle durch einen 80er und einen Kilometer davor durch einen 60er unterboten wurde. Verstehen sie mich nicht falsch, natürlich bin ich froh, wenn mir jemand nachhaltig das Denken abnimmt, aber irgendwie warte ich schon ganz gespannt auf den Moment, bis wir von einem beamteten Ober- und Vordenker eine SMS bekommen: „Lieber Steuerzahler, langsam wird es wieder Zeit aufs Klo zu gehen!“ oder ein freundliches: „Aber jetzt Zähneputzen und ab ins Bett!“

Nicht von Nachhaltigkeit gesegnet war die Zeit unseres Ökonom´s Christian Keuschnigg beim Institut für höhere Studien in Wien. Aber das hätte ich ihm gleich sagen können, dass Einschnitte, die finanziell wirklich etwas bringen, überall auf der Welt möglich sind, nur nicht in Wien.

Eine eigenartige Form der viel besungenen Nachhaltigkeit wieder betreibt man beim FC Wacker. Ich möchte gar zu gerne wissen, ob die Führungsetage damit die Kontinuität beim Hinauswurf der Trainer meint, oder eher die Tradition, dem Geschassten noch in der Halbzeitpause den Rücken zu stärken. Jedenfalls sollte man einem Mechaniker, den man anstellt, auch Schraubenschlüssel und nicht nur eine Kombizange als Werkzeug in die Hand drücken. Hinter vorgehaltener Hand habe ich gehört, dass zur Komplettierung des Teams der Unwissenden nur noch der K.H. Grasser fehlt. Obwohl, der hat seine Ahnungslosigkeit bereits öffentlich bei Gericht zugegeben.

Heute 14.30 Uhr – Vernissage zur Ausstellung Franz „KAISER“ Eberharter im Rathaus der Stadt Schwaz

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