"Tirolerisch denkt"

Kolumne von Franz Eberharter

Vom Schein und Sein

Dass der Schein wichtiger ist als das Sein ist in unserer Zeit nichts Neues mehr. Das sieht man zum Beispiel deutlich bei den AMS-Sparplänen. Nur weil man nicht mehr Arbeitslose in allen möglichen und unmöglichen Schulungen vor der Statistik verstecken kann, will man das einsparen, worüber denkende Menschen schon lange den Kopf geschüttelt haben. Den Kopf schütteln kann man auch über den jungen Mann in Scheffau, der sich als Trittbrett-Räuberopfer entpuppt hat. Klar, um in die Nachrichten zu kommen brauchte es den Schein, denn mit seinem Sein hätte er das nicht geschafft.

Obwohl, in die News zu kommen, ist nicht wirklich schwierig, es muss nur negativ oder blöd genug sein. Haben sie zum Beispiel gewusst, dass der 13. Oktober der „happy no bra day“ ist, jener Tag, an dem die Frauen keinen BH tragen sollen? Oder dass die Dänische Regierung Sex mit Tieren deshalb verbieten will, weil sie nicht NEIN sagen können? Also die Vierbeiner natürlich. Beim Vieraugengespräch zwischen Faymann und Putin hatte es laut Aussendung den Schein, dass der Russische Obermacho sehr viel vom Engagement Österreichs halte. Kann es sein, dass unser Kanzler dieses Gefühl deswegen hatte, weil bei Putin einmal die rechte Augenbraue gezuckt hat? So wie bei der Urteilsverkündung gegen unseren Ex-Minister Strasser, bei dem es auch gezuckt hat, weil es jetzt mit dem Häfen Ernst geworden ist. Gottseidank gibt es aber auch Zeitgenossen, die im Schein ihr Sein haben. Udo Jürgen Bockelmann, besser bekannt als Udo Jürgens, seit 30. September ein Neoachtziger mit Vorbildwirkung. Für mich zumindest, denn so möchte ich in zwanzig Jahren auch drauf sein. Allerdings habe ich da so meine Bedenken, weil ich der Geschichte, die ich öfters im Scherz erzähle, immer ähnlicher werde. Es ist halt der Lauf der Zeit, als sich zwei Freunde zu ihrem gemeinsamen Fünfziger deswegen beim Kramerwirt getroffen haben, weil dort die schärfste Kellnerin weit und breit ihren Dienst tut. Zum Sechziger war es dann der vorzügliche Schweinsbraten, der die Freunde lockte, während zur Siebzigerfeier mehr Wert auf den unglaublich guten Rotwein gelegt wurde. Zum Achtziger schließlich verabredete man sich deshalb beim Kramerwirt, weil man da ebenerdig hinein gehen kann. Die gnadenlose Härte des Seins stellte sich aber zum neunzigsten Geburtstag über den Schein, als die beiden über den Ort der Feierlichkeiten berieten. „Gehen wir doch zum Kramerwirt …. da waren wir noch nie!“

Schönen Sonntag!

Franz „KAISER“ Eberharter, Bilderausstellung im Rathaus der Stadt Schwaz, Vernissage am 26. Oktober um 14.30 Uhr – Die Arbeiten in Metall, Stein und Leder sind bis 7. November zu sehen.

Der Mensch denkt...

„Der Mensch denkt und Gott lenkt“, heißt es in einem Spruch, der gerne von Menschen bemüht wird, die froh sind, wenn das Denken ein anderer übernimmt. Hat ja auch seine Vorteile, denn dann kann man hemmungslos auf alles und jeden schimpfen und sein persönliches Ungemach der göttlichen Fügung überlassen. Wenn´s nur so einfach wäre. In Wirklichkeit wird es aber so sein wie beim berühmten Münchner im Himmel, dem Engel Aloisius, wo am Ende die Bayerische Regierung bis heute vergeblich auf die göttlichen Eingebungen wartet. Gottseidank, soll unser Bundespräsident und oberster Agnostiker gesagt haben, Gottseidank gibt es Beispiele der göttlichen Eingebung in der aktuellen Politik.

Freilich passieren dabei auch kleine Fehler, denn wo geheuchelt wird fallen Banknoten, und wo erpresst wird fallen Förderungen, zum Beispiel für englische Atomkraftwerke.

Aber die Grundidee, die Kommissare der Europäischen Union einer Anhörung zu unterziehen, war sicher auch das Ergebnis eines göttlichen Lichtstrahles, wenn auch die menschliche Umsetzung zu wünschen übrig lässt. Ich glaube kaum, dass es gottgewollt ist, dass ausgerechnet ein ehemaliger Finanzmarktlobbyist die Finanzmärkte an die Kandare nehmen soll. Auch dass ein Franzose, Frankreich hält sich bekanntlich nicht an die Europäischen Sparvorgaben, dafür sorgen soll, dass in der EU die Haushaltsdisziplin durchgesetzt werden soll, wäre lustig, wenn es denn eine Nestroy´sche Posse wäre. Geradezu köstlich ist die Idee, nach dem Motto, wir machen den größten Wilderer zum Aufsichtsjäger, den Spanier Miguel Canete, einen ehemaligen Ölmanager zum Wächter über das Klima zu küren.

Aber auch in der Heimat gehen Entscheidungen mit klitzekleinen Unzulänglichkeiten einher. Freundlicher kann man den Beschluss der Innsbrucker Stadtregierung nicht umschreiben, der Berufsfeuerwehr den schweren Bergetraktor wegzunehmen und in der Freude über die grandiosen Einsparungen ganz vergessen zu haben, den Paketfahrern das Abstürzen außerhalb der Amtsstunden des städtischen Forstamtes zu verbieten. Gut, werden sie sagen, dafür funktioniert das Handyparken umso besser.

Übrigens habe ich gestern bei der Polizei eine Vermisstenanzeige aufgegeben und damit eine internationale Personenfahndung ausgelöst. Geht´s ihnen auch so oder hab nur ich das Gefühl, dass unser Freund, der Eugen, spurlos verschwunden ist? Hoffentlich ist ihm nichts passiert!

Die dahingehende Sorge werde ich heute am Stammtisch kräftig hinunter spülen!

Schönen Sonntag!

Samstag, 18. Oktober 20.00 Uhr im Gemeindesaal Maurach a.A. für den Lion´s Club Jenbach-Achensee – Restkarten bei den Raika´s Jenbach und Maurach.

Alles Gute zum Namenstag

Zum gestrigen Welttierschutztag und Todestag des Heiligen Franz von Assisi, er starb am 3. Oktober 1226, möchte ich nachträglich allen Franzen, deren Namenspatron er ist, die besten Wünsche zum Namenstag aussprechen. Falsch, werden sie sagen, es handelt sich nicht um den 3. sondern um den 4. Oktober. Das ist nur bedingt richtig, denn Giovanni Battista Bernardone, so der richtige Name des Heiligen, starb nach Sonnenuntergang des 3. Oktober, was nach damaligem römisch-antiken Verständnis bereits zum nächsten Tag gehörte. Jedenfalls, und das hat schon meine selige Großtante immer gesagt, sollte man den Namenstag viel mehr feiern als den Geburtstag, denn einen solchen hat jeder „Fack´n“ auch. Aber zurück zum Welttierschutztag. Dass der Mensch nur ein paar Gen´chen mehr als das gemeine Hausschwein hat ist nichts Neues, wissenschaftlich erwiesen und verwundert auch nicht weiter, wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht. Wie weit allerdings Mensch und Almkühe auseinander liegen entzieht sich meiner Kenntnis. Beim gestrigen Almabtrieb in Mayrhofen jedenfalls standen sich Rindvieh und Rindvieh Aug in Aug gegenüber. Sagenhafte 20.000 der Einen waren gekommen um den Anderen beim Heimfahren zuzusehen, wobei sich die Ersteren erheblich dümmer anstellten als die muhenden Sommerfrischler. Aber auch für die hatte man eine Heerschar von Treibern angestellt um sie sicher in Bahnen gelenkt und geschützt vor den Killerkühen zu den wartenden Bussen zurück zu geleiten. Aber nun von den Graskillern zu den Glaskillern, hat es doch unsere Streitmacht (welche Tastenkombination braucht man gleich für einen weinenden Smilie?) über unserem schönen Landl gleich zwei Mal richtig krachen lassen. Ich meine jetzt nicht die Kasernen in Vomp und Lienz, sondern unsere gesamte Luftwaffe, alle beiden flugfähigen Eurofighter.

Noch im Schockzustand nach der eurofighterzerstörten Auslagenscheibe soll die Tiroler Versicherung planen, eine eigene Überschallknallschadenspolizze auf den Markt zu bringen, die, Glasschäden sind ja sowieso in der Hausversicherung abgedeckt, speziell auf Dachschäden ausgelegt sein soll, was im Sinne der großpolitischen Wetterlage schon lange überfällig wäre. Schwierig wird der Nachweis, dass man vor dem Knall keinen selbigen hatte und dass der Dachschaden durch äußere Einwirkung entstanden ist.

Was einerseits ziemlich leicht durch eine blutende Platzwunde am Kopf, andererseits aber ziemlich schwierig durch eine geplante Untertunnelung der Kalkkögel zu beweisen wäre.

Jedenfalls wird sich das Risiko in Grenzen halten wenn man das Bundesheer erst feierlich beerdigt hat. Also ich finde das alles andere als Klug!

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26.10.2014 14:30 - 08.11.2014 14:30

Ort: Schwaz
Wo: Rathaus
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