"Tirolerisch denkt"

Kolumne von Franz Eberharter

Am Volk vorbei...

Nein, wundern braucht sich keiner mehr. Wundern, dass die Leute von der Politik die Schnauze gestrichen voll haben. Was uns die Wiener SPÖ wieder vorgeführt hat, ist an Ignoranz dem Volk gegenüber nicht zu überbieten. Ich möchte gar zu gerne wissen, was man dem Grünen Gemeinderat Senol Akkilic, der bisher nur durch eine in Türkisch gehaltene Rede im Gemeinderat aufgefallen ist, versprochen hat, damit er die Seiten wechselt und dem Politfuchs Häupl diesen moralisch höchst bedenklichen Coup und dadurch letztendlich auch den Machterhalt der SPÖ in Wien erst ermöglicht hat. Eigentlich sind solche Aktionen schade, denn es gibt genügend Politiker, die wirklich für das Volk und nicht daran vorbei etwas bewegen wollen. Freilich kann nur der etwas machen, der auch die Macht dazu hat, aber wenn sich die Macht verselbständigt wird´s bedenklich. Am Zwangsgebühren zahlenden Volk vorbei geht jedenfalls auch die geplante ORF-Reform. Ich werde es schon nicht verstehen, aber kosten uns mehr Chef´s nicht auch mehr Geld? Aber wir brauchen nicht nach Wien zu schauen. Am Volk vorbei und jedenfalls auch an den Flüchtlingen vorbei geht meiner Meinung nach die Entscheidung, durch Containerdörfer in Tirol neue Ghettos zu schaffen. Abgesehen davon, dass St. Gertraudi bald mehr Flüchtlinge als Einwohner hat, ist zu hinterfragen, wo die Solidarität der anderen Gemeinden in Tirol bleibt? Sollten Zurufer von außen nicht besser auch für Flüchtlinge Platz schaffen oder gilt das Floriani-Prinzip? 2001 hat man im „Prockschen drüberfahren“ den „Geirer´n“ versprochen, dass es nie mehr als 50 Flüchtlinge sein würden. Zurzeit sind es 70, von den versprochenen „fast nur Familien“ sind über 80 % Männer und von der angekündigten Rundumbetreuung nur noch die übliche Amtszeit Montag bis Freitag übrig geblieben. Würde Integration in kleineren Einheiten nicht besser funktionieren? Freilich kostet das auch mehr Geld, aber müssten für die dadurch entstehenden Mehrkosten nicht längst jene Europäischen Länder zur Kasse gebeten werden, die mit der Flüchtlingsproblematik „gar nichts am Hut“ haben. Vielleicht könnte man ein Gesetz verabschieden, das Flüchtlingen das Flüchten verbietet? Vielleicht örtlich und zeitlich begrenzt? Bei den Bettlern in Innsbruck hat das offensichtlich schon gewirkt, wie das Foto von der „Hokus Pokus“ Abschlussparty im Freien Königreich Schneekarhütte am Penken in Mayrhofen zeigt. „Für sechs arme geschiedene Musiker, Häuta!“ Wer´s nicht weiß, als „Häuta“ bezeichnet man im Volke einen äußerst bedauernswerten Menschen.

Ich werde heute am Kirchenvolk vorbei zum Kramerwirt-Stammtisch eilen und darauf anstoßen, dass wir keine „Häuta“ sind.

Schönen Sonntag!

Die Steuerreform

„Jüle, wo versteckst denn du das Schwarzgeld?“ fragt eine Hotelierin die andere. „Unter dem Kopfpolster!“ meint diese, worauf die süffisante Antwort kommt: „Mein Gott, so hoch kannt i nit schlafen!“ Mit der Steuerreform und der damit verbundenen Offenlegung aller Bankkonten wird’s wohl wirklich so werden, dass man Steuersünder schon am steifen Genick erkennen kann. „Die Unternehmer sind alles Verbrecher“, meinte kürzlich ein Arbeiter in einer Diskussion, „und jetzt haben sie es sogar schriftlich vorliegen. Steuerhinterziehung geht bei uns Arbeitnehmern gar nicht, weil uns die von vorn herein einfach vom Lohn abgezogen wird.“ Auf die Frage, wie er ohne Schwarzarbeit bei einem Lohn von gerade mal 1.400.- Euro, mit Frau, Kind, Hund, Auto und Jahresurlaub am Meer sein Häuschen gebaut hat, wurde er etwas nachdenklich. Also ich bin in Finanzfragen voll und ganz auf meinen Steuerberater angewiesen und so glaube ich dem Helmut auch, dass man seinen Finanzhaushalt auf Dauer nur über die Ausgabenseite in Ordnung bringen kann. Also wie wär´s, wenn der Finanzminister da einmal anfangen würde und vielleicht eine Kommission für uns Steuerzahldeppen ausrechnen ließe, wie kostbar jedes einzelne Wort aus dem Munde unseres Herrn Bundespräsidenten ist. Wenn wir so am Hungertuch nagen, warum muss dann immer noch die Mehrheit für eine Minderheit die Bundestheater finanzieren?

Warum geben wir in Österreich laut Statistik für die öffentliche Ordnung und Sicherheit 3 Prozent aus während die Verwaltung inklusive Zinszahlungen 13 Prozent verschlingt?

Was denkt sich der Wiener Bürgermeister, wenn er den Finanzminister wissen lässt, dass diesen das Pensionssystem in Wien nichts angehe? Sollten wir es ihm nachmachen und einfach „Häuptl´n“? Wer kann mir erklären, zu welchem Zweck wir so viele verschiedene Krankenkassen brauchen, von denen anscheinend keine ein Geld hat und trotzdem in Protzburgen residiert? Fragen über Fragen und die einzige Antwort darauf ist die Registrierkassenpflicht? Zu guter Letzt noch die Bestimmung, dass bei Schenkungen in Zukunft für den tatsächlichen Verkehrswert geblecht werden muss. Dass wir in Tirol da wieder einmal die Vollpfosten sind ist eh klar. Aber dafür ist ja die Lebenshaltung teurer und wir verdienen weniger. Und damit sich wieder ein paar über diese Zeilen aufregen können:

„Meine Villa ist sicher mehr wert als deine!“ so ein auf Südfrüchteimport spezialisierter Türke zum Starchirurgen. „Wie kommst du darauf, wir haben beide ein völlig identes Anwesen?“ „Tja, wenn ich meine Bude verkaufen will, kann ich schreiben, verkaufe Villa am See und habe berühmten Arzt als Nachbarn. Was schreibst du?“

Schönen Sonntag!

Ich versteh´s einfach nicht!

Manche Menschen haben eine Leidensfähigkeit die ich grenzenlos bewundere. Andere wieder sind durch ihre eigene Lebensgeschichte so geläutert, dass sie die Dinge unaufgeregt aus der Distanz sehen. Es gibt aber auch Leute, die in Ermangelung einer nennenswerten Lebensgeschichte selber nicht einen einzigen Nagel in die Wand geschlagen haben, denen vielmehr vermutlich überhaupt der Hammer für ein solches Vorhaben fehlt und die trotzdem ein untrügliches Gespür dafür haben, wie viel man anderen Menschen zumuten kann. Und so höre und lese ich immer wieder, dass unsere Gesellschaft die Bettler, auch wenn sie nicht alleine kommen, aushalten müssen. Ich selber bin leider nicht mit göttlicher Großmütigkeit gesegnet, weshalb ich es nicht verstehe, ob ich es wirklich aushalten muss, wenn ich mit einer Hochzeitsgesellschaft aus einer Kirche in Innsbruck komme, nicht Schützen, Musik oder irgend ein anderer Verein, dem ich angehöre, die Gewehre, die Schi, die Taucherbrillen oder vielleicht auch nur die Leberwerte hochhalten, sondern sich ein Spalier von Bettlern organisiert hat. Ein Freund von mir versteht´s auch nicht und will es nicht aushalten, dass jeden Mittwoch um 10.45 Uhr, und er sagt, man kann fast die Uhr danach stellen, an seiner Wohnungstür ein Bettler klingelt. Letzte Woche wollte neben der Annasäule eine ältere Frau es partout nicht aushalten, dass sie von einem übermotivierten Zeitungsverkäufer in die Mangel genommen wurde. Meine von der Frau dankbar angenommene Einmischung überlebte ich nur, weil mich der Herr Bettler neben den ganzen tatenlos zusehenden Zeugen nicht umbringen wollte. Ich mag, wie mir ein von Spendengeldern lebender Gutmensch schriftlich attestiert hat, keine Ahnung haben und außerdem ein Volltrottel sein, aber ich verstehe nicht, was man da aushalten müsste. Ich verstehe das so wenig wie ich die arme alte Frau verstanden habe, der ich auf der Museumstrasse eine Käsesemmel gegeben habe und die sie mir zusammen mit einer Flut unverständlicher Dankesworte nachgeworfen hat. Ich verstehe auch nicht das tägliche Wunder, wenn der Ganzleibeszitterer mit einer Krücke und verdrehtem Bein, und ich bin sicher, nicht wenige der Leser dieser Zeilen kennen diesen jungen Mann, nach dem Betteln auf der Theresienstrasse, oh Wunder, von allen Leiden geheilt, die Krücke locker in einer Hand und einer Bierdose in der anderen, ohne jeglichen Wackler über den Landhausplatz zum Sammelplatz eilt. Nein, keine Sorge, ich habe keine Detektei angestellt, ich hab einfach selber die Augen aufgemacht. Und überhaupt nicht verstehen kann ich, was daran menschlich sein soll, wenn man jemandem gönnerhaft das Betteln „erlaubt“.

Schönen Sonntag!

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