"Tirolerisch denkt"

Kolumne von Franz Eberharter

Wie lange halten wir es aus?

„Sie“, habe ich bei meinem letzten Restaurantbesuch die Kellnerin gefragt, „was bedeuten denn diese Buchstaben hinter dem Schnitzel?“ „Das ist die Auszeichnung der in der Speise enthaltenen Allergene, A zum Beispiel steht für glutenhaltiges Getreide und C für Ei.“

„Ach so, und wo steht denn dann EU, weil gegen die werde ich langsam allergisch!“

Ich halte das nicht mehr lange aus!

Nachdem unsere Gastronomie die Allergene-Auszeichnungsverordnung brav und bravurös umgesetzt und die Speisekarten mit einem Buchstabensalat verziert hat, wird in Brüssel schon an der nächsten Idee gefeilt. Diesmal handelt es sich nicht um eine österreichische Grünenidee, sondern diesmal kommt der Antrag von mir. Es gibt nämlich eine Minderheit in Europa, die speisekartlich noch gar nicht erfasst ist, nämlich die Sehbehinderten. Freilich sind es über drei Mal so viele wie Allergiker und man muss sich eigentlich wundern, dass sie trotzdem im großen Ganzen Beachtung gefunden haben, aber in Wahrheit ist es nur recht und billig, dass sie die Speisekarten samt Allergene auch selber lesen können und so halten wir es sicher aus, wenn in absehbarer Zeit die Speisekarten auch in Brailleschrift vorliegen.

Doch nicht jeden Wahn können wir an der EU aufhängen. Der Rauchverbotsslalom zum Beispiel ist eine rein österreichische Erfindung, erinnert in der Streckenführung an den Ganslernhang und findet nun seinen grandiosen Zieleinlauf im Rückbau der Zu- und Umbauten für Raucher und Nichtraucher. Auch wenn nun im Augenauswischverfahren monetäre Zuckerln, natürlich wieder auf Kosten des Steuerzahlers, verteilt werden, ist es typisch für Österreich, dass jene, die sich zuerst „nix g´schiss´n“ und auf die Vorschriften gepfiffen haben, wieder einmal nachher die Gewinner sind und, das pfeifen die Vögel von den Dächern, die Freiheit auf der Strecke bleibt. Nachdem man nun das Rauchen auch in Wohnungen und auf Balkonen verbieten will, warte ich hart auf den Tag, an dem ich amtlich kontrolliert nächtens aus dem ehelichen Schlafzimmer ausziehe, damit sich der Herr Nachbar nicht darüber aufregen muss, dass ich möglicherweise in meinem Alter noch Sex habe. Also ich halte das bald nicht mehr aus!

Schwer auszuhalten ist auch, dass, sollte der Flughafen Innsbruck wegen ankommender zahlungs- und vor allem preisverhandlungskräftiger Israelis in Zukunft öfter als einmal in der Woche auf unsere Kosten polizeilich abgeriegelt werden, auf den Speisekarten auch noch die Religionszugehörigkeit des Kochs anzuführen ist. Aber es kann wohl keinem wirklich egal sein, dass am Ende gar ein Atheist eine koschere Mahlzeit zubereitet.

Wünsche einen Wahn-sinnigen schönen Sonntag!

Wollen alleine ist zuwenig

Alle waren sie da, die Dengg´s, die Klier´s, die Falkner´s, die Schultz´s und wie sie alle heißen, die namhaften und erfolgreichen Liftkaiser. Obwohl es in diesen Kreisen beim gendern völlig hapert und weit und breit auch nicht eine einzige Quotenfrau hinter einer Liftstütze zu sehen ist, waren sie zur ersten Liftkaiserin gekommen. Sogar der Oberseiler Franz Hörl hatte es sich nicht nehmen lassen, das Fortbildungsseminar „Patscheter Kofel“ zu besuchen. Nur die Schröcksnadel´s waren verhindert, sie wollten ohne Flutlicht im Restaurant nicht kommen und merkten an, dass es ziemlich unfair sei, wenn bei einem Privatkrieg nur eine Seite auf das eigene Geld zurückgreifen müsse. Die Gekommenen aber hofften wertvolle Tipps zum Betreiben eines Schigebietes zu bekommen. Schon nach dem theoretischen Teil im Königinnensaal des Innsbrucker Rathauses sah man erstaunte Gesichter, denn nicht einer hatte gedacht, dass eine Frau an der Spitze ausreicht um nur noch die halben Beschneiungsanlagen zu brauchen. Aber wie jede Sekretärin weiß, verschlingt das Schnee machen so viel Geld, dass man dafür jedes Jahr den gesamten Kofel mit einem weißen Spannteppich überziehen könnte. Nach dem Innsbrucker Beispiel haben einige Chef´s überlegt, nächstes Jahr auch über Weihnachten und Silvester in den Urlaub zu fahren, um beim Saisonstart den Angestellten nicht lästig zu sein. Jedenfalls überlegte man in kleinen Workshop-Gruppen auch die Einführung eines eigenen Experten-Beirates für jedes Schigebiet weil in der Privatwirtschaft die notwendigen Entscheidungen einfach viel zu schnell gefällt werden. Interessant fanden nicht wenige die Lösung, die Strassenbahnlinie 6 der Innsbrucker Verkehrsbetriebe ab Igls mit einer Zaha Hadid Überführung der Röhmerstraße als Zahnradbahn auf den Kofel zu führen. Freilich müsste man da zuerst einmal einen internationalen Architektenwettbewerb ausschreiben und wenn dann in der Zwischenzeit der Tourismus in Igls völlig zum Erliegen gekommen ist, wäre es sicher wieder eine reizvolle Aufgabe, das Begräbnis zu organisieren. Zum Abschluss der Veranstaltung gab es eine Nachtabfahrt mit selber mitgebrachten Kerzen und eine abschließende Gedenkminute beim Olex-Restaurant.

Fragt sich der leidgeprüfte Mayrhofner, wo um Himmels Willen waren bei dieser Fortbildungsveranstaltung die liftbetreibenden Innsbrucker Banker, denn zum Thema: „Wie macht man neben Stunk auch noch Gewinne?“ hätten sie sicher wertvolle Inputs geben können. Beim Kofel ist man nämlich über den Stunk noch nicht hinausgekommen. Woran das nur liegt?!?

Heute gehe ich statt orgeln zur Beichte und hoffe, dass mir der Herrgott meine ganzen Lügen verzeiht.

Schönen Sonntag!

Die guten Vorsätze

Also, ich mach es heuer genauso wie die Jahre zuvor, ich versuche die ganzen guten Vorsätze wie sparsamer sein, abzunehmen, nicht mehr zu lügen und niemanden mehr zu beleidigen möglichst schockfrei bis zum DreiKönig-Feiertag abzubauen, um danach so wie immer weiterzumachen. Gut, ganz so wie bisher wird sich´s nicht mehr ausgehen, wenn jetzt plötzlich auch unser Allerhöchster im allerübrigsten Job zum Steuerexperten mutiert und ergänzende Aussacklvorschläge macht. Vielleicht sollte der Herr Bundespräsident uns besser einmal vorrechnen, wieviel Geld wir sparen könnten, wenn wir dieses Amt abschafften? Aber in Zeiten wie diesen, wo jeder zehnte Österreicher keinen Job hat, wäre es ein fatales Signal, wenn wir auch nur einen einzigen Arbeitsplatz auflassen würden. Aber zurück zu den Heiligen Drei Königen. Neulich träumte ich, dass das damals gar keine Könige waren, sondern Quotenfrauen. Die Heiligen Drei Königinnen liefen auch keinem Stern nach, sondern frugen nach dem Weg, kamen rechtzeitig, halfen bei der Geburt und räumten den Stall auf. Mitgebracht hatten sie statt Weihrauch und Myrrhe auch Vernünftigeres, nämlich etwas zu Essen. Als sie dann wieder abreisten hörte ich sie sagen: „Hast du die Sandalen gesehen, die Maria zur Tunika trägt?“ „Wie lange ist der Josef schon arbeitslos?“ „Also der Bub hat gar nichts vom Vater!“ Bei der letzten Meldung von der Königin Melchiala: „Glaubt ihr, dass wir die Tupperware-Schüssel wiederbekommen, in der wir die Lasagne gebracht haben?“ bin ich dann schweißgebadet aufgewacht. Ungefähr so, wie ich am Silvestertag aufgewacht bin, als ausgerechnet unsere Koalitionsgrüne Landeshauptfrau als Lokführerin beim Silvesterzug so wie in der Regierung unten ordentlich gefeuert hat, damit es oben auch ordentlich raucht. Gerüchteweise soll sie schon in Fügen gemeint haben, dass wir auf der Autobahn ruhig 200 fahren dürften, wenn wir den Dampfzug im Zillertal einstellten. Aber der scheidende Bahnboss Wolfgang Holub hat glaubhaft versichert, man habe den guten Vorsatz, nur noch mit gewaschener Kohle zu fahren. Dass wir für den Dreck, der in der Silvesternacht in den Himmel geschossen wird, sowieso das ganze Jahr Autofahren könnten, sei Detail am Rande.

Aber dass ich nicht nur jammere, ich freu mich auf den guten Vorsatz der EU, die Abstände zwischen Industrie und Wohnen neu festzulegen, denn wenn das kommt, müssen wir halb Tirol aussiedeln. Irgendwie habe ich aus dem Geschichtsunterricht noch dunkel in Erinnerung, dass das in den Vierzigerjahren auch schon einmal einer angedacht hatte? Damals freilich war der gute Vorsatz, ein Jagdgebiet für die Bonzen zu schaffen.

Schönen Sonntag!

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